SK Bern (3. Liga)

2. Runde: SK Bern 4 - SK Lyss-Seeland 2

Bern 4 - Langenthal 2 2:2 (Gil - Bloch 0-1 , Hofer - Schwab 1:0, Roth - Jakob 1:0, Lehmann - Weber 0:1)


Generationenduell Teil 2: Wenn Springer sich am Rande verirren

Wer hätte gedacht, dass es SMM-Spiele geben wird, die nicht ohne Impfung oder Tests stattfinden? Damit sind viele überrascht worden und kaum jemand hat sich das vor zwei Jahren vorstellen können. Zurzeit steht die gesamtschweizerische Covid-Impfquote bei 53 %. Bei Fussball Challenge-League Vereinen ist sie bei 70 %, bei den Super-League Teams sogar auf 85 %, etwa gleich hoch, wie bei den professionellen Eishockeyteams der Schweiz. Das Team von SKB 4 hat sogar eine unglaubliche Quote von 87.5 %. Damit stehen wir allwae im Vergleich zu anderen Schach Mannschaften und Clubs besonders überzeugend da. Für mich ist darum klar, die Spieler des Teams wissen, was sie machen und warum.

Gerade im Schach ist diese These jedoch zweifelhaft. Gegen Lyss-Seeland 2 trafen wir auf ein komplettes Juniorenteam. Diesmal fand ein reiner Match Senioren gegen Junioren statt. Ich wusste, dass es eng werden wird Darum gab es die Devise oder Ziel: Wir wollen nicht verlieren!

Als erster vom Team fand sich Andre Roth ein. Umgehend unterrichtete er mich, über sein schlechtes Gefühl. Mannschaftsleiter haben verschiedene Funktionen. Die Spieler zu motivieren und aufzubauen gehört dazu. Das gelang. Als er in der Eröffnung zwei Züge hintereinander den gleichen Springer führte und dieser dann auf der H-Linie stand, überkam aber mich ein schlechtes Gefühl. Es wurde nicht besser, als wenig später derselbe Springer den gegnerischen weissen Läufer tauschte. Mit diesen Tempoverlusten stand Andre passiv. Zudem stand sein Läufer auf h 2, wo er leicht vom gegnerischen Läufer getauscht hätte werden können und sein Turm dort hätte zurücknehmen müssen. Also - auch positionell lief nicht alles nach Wunsch. Darum versuchte Andre sein Glück in der Offensive. Beide rochierten gross. Die Dame von Andre zielte auf taktische Motive, die gelangen, denn sein Gegner übersah eine zweizügige Kombination, die Andre einen Bauern einbrachte. Davon konnte sich der junge Lysser nicht mehr erholen. Andre konnte danach relativ rasch und mit guten Gefühlen, seine Stellung zum Sieg führen.

Gute Gefühle hatte ich bei der Stellung von Heinz Hofer. Er konnte aus der Eröffnung seinem Gegner auf der rochierten Königsseite einen luftigen Patron bescheren - dies mit einem unvorteilhaften Doppelbauern. Vieles wurde abgetauscht. Es standen bald die Schwerfiguren und ungleiche Läufer mit einer Bauernposition auf dem Brett, die klar besser für Heinz war. Der Junior stellte Heinz jedoch eine Falle, indem es danach aussah, dass der Berner mit einer Kombination eine ganze Figur hätte gewinnen können. Aber - dieser Figurengewinn war vergiftet und der einzige Trumpf des Gegners, sein Freibauer hätte sich verwandeln können. Heinz nahm sich bei dieser $chlüsselstellung viel Zeit, sah die Problematik und schlug zum Glück (noch) nicht zu. Dafür ging er auf Bauernbeute und heimste einige Bauern ein. Wie er den Läufer doch noch bekam, entging mir. Sein Gegner gab ziemlich bald darauf auf. Es stand 2:0 für SKB 4!

Wir hatten nach zwei Partien bereits das Ziel geschafft und es sah nach Supplement aus. Oscar Gil führt positionell seine Züge aus. Sein Gegner erhielt dadurch die Möglichkeit, eine standesgemässe Entwicklung zu tätigen. Es entstand eine Stellung, die lange in Balance war. Bis Oscar auf der Damenseite mit dem B-Bauern einen Minoritätenangriff startete, der vielversprechend aussah. Es folgten taktische Momente mit Fesselungen und Drohungen, die den Stellungsvorteil vergrösserte. Leider hatten beide Spieler nicht mehr viel Zeit. Ich überlegte mir, Oscar zu signalisieren, ein Remis anzubieten. Aber - er stand besser und bis zu diesem Zeitpunkt spielte er überzeugend - einfach souverän. Zudem sah ich, wie er den Stellungsvorteil in eine gewonnene Position hätte führen können. Darum schwieg ich und nahm an, dass Oscar das auch sieht. Er sah es nicht, verlor völlig den Faden und stellte sogar eine ganze Figur ein. So brutal kann Schach sein. Ein Zug genügt und die Früchte von vielen Zügen sind weg. Oscar gab folgerichtig auf. Das sind bittere Erlebnisse und Lernprozesse, die alle Schachspieler haben, fühlen und erleiden. Auch wenn es schade ist - irgendwie gehört das zu jeder Vitae eines Schachspielers.

Peter Lehmann gab mit Schwarz sein Debüt für den SKB 4. Sein junger Gegner weist in etwa die gleiche Spielstärke auf. Eine spannende Partie war zu erwarten. In der Eröffnung und Züge danach geschah nichts Bedeutendes. Peter hatte einen isolierten Bauern am Damenflügel, dafür verbaute der Läufer des Gegners auf e 3 einen wichtigen Zentrumsbauer den Start in die Partie. Aber für beide war es schwierig einen Plan zu verfolgen. Es gab nicht die Möglichkeit einen Königsangriff zu starten oder durch irgendwelche prima Züge Material zu gewinnen. Die Stellung war ausgeglichen. Keiner fand ein Motiv. Dabei hatte es genau ein zentrales Motiv - die offene C-Linie! Es wäre darum gegangen, sie mit den Türmen zu besetzen und so feine Nadelstiche zu setzen. Da hätte Pesche sogar Vorteile erzielen können. Anstelle dieses Motiv zu bearbeiten, zog er um den 18 Zug herum seinen Springer auf die H-Linie. Mein Gefühl sackte, wie zuvor bei Andre, in tiefe Tiefen. Es gibt Eröffnungen, wo der Springer dort eine wichtige Rolle spielt. In normalen Partien gehören Springer nicht dorthin. "Springer am Rande ist eine Schande." Ein Bonmot das wir alle schon gehört und (hoffentlich) nicht mehr vergessen haben. Das war bei Pesche genau so. Mit diesem Zug stellte er nicht nur den Springer ins Abseits - sondern gab auch noch einen wichtigen Bauern her und erhielt dadurch eine schwache Bauernstruktur. Der Schock sass auch bei Peter tief, denn danach fand er nicht mehr in die Partie zurück und gab Haus und Hof her. Bis ein Matt seinen Leiden ein Ende setzte. Auch hier vermasselte ein Zug ein positives Resultat.

Das Fazit: Die Impfquote sagt doch nicht so viel aus. Das Ziel wurde erreicht - aber es lag viel, viel mehr drin! jb


  1. Runde: SK Bern 4 - SK Langenthal 2

Bern 4 - Langenthal 2 3:1 (Hofer - Lindegger ½-½ , Eichelberger - Bender 1:0, Serempus - Ellenberger 1:0, Gil - Guyot 1:0)


Einseitiges Duell der Generationen

Das Leben und Schach schreiben Geschichte und Geschichten. So war es vor über 20 Jahren als der Berner Quartierschachclub Münster 78 (benannt nach der Wohnadresse des damaligen Präsidenten) in Bulle das Aufstiegsspiel zur 1. Liga bestritt. Das Spiel endete 3:3. Die Fribourger wollten bereits ein Wiederholungsspiel in Bern abmachen. Es gab damals jedoch schon die Regelung mit den Brettpunkten und da das 1. Brett gewonnen wurde, stieg der Quartierclub in die 1. Liga auf.

Beim Berner Club spielte Serge Serempus (auch Säm Schneider war bei diesem legendären Aufstiegsspiel dabei). Ich spielte ebenfalls in diesem Verein, der fast so viele Nationalitäten wie Spieler hatte. Das war quasi eine gelebt Integration, bevor das Thema gross politisiert wurde. Oscar Gil sahen wir damals regelmässig im Clublokal Breitschträff.

Über 20 Jahre danach treffen wir uns wieder in der Zunft zu Metzgeren. Serge spielte nach 20 Jahren Pause wieder eine gewertete Partie, Oscar spielte überhaupt seine erste gewertete Partie. Auch Roger Eichelberger gab für den SKB sein Debüt. Ergänzt wurde das Trio durch den erfahrenen Heinz Hofer. Und ich arrangierte und arbitrierte das Spiel gegen Langenthal 2.

Jeder des Trios spielte gegen eine(n) Langenthaler Schülerin oder Schüler. Es war ein Kampf der Generationen - sogar ein Supergenerationenkampf, da an zwei Brettern der Altersunterschied weit mehr als 50 Jahre betrag. Das war dann auch das längste an der ganzen Affiche. Denn nach guter Eröffnungen bauten die jungen Langenthaler kollektiv schnell ab, verschenkten Figuren en gros und gingen um den 20. Zug ein- resp. zweizügig matt. Nach knapp einer Stunde hatten wir bereits gewonnen.

Eine wirkliche Schachpartie fand am 1. Brett statt. Dort traf Heinz Hofer mit Weiss auf den favorisierten Langenthaler Mannschaftsleiter Fredy Lindegger. Das war kein Generationenkampf, sondern eine lange, vorzüglich geführte Partie von Heinz. Nach solider Eröffnung konnte er seine Stellung ausbauen und stand bald, mit dem Läuferpaar gegen Springer/Läufer mit aktiverem Turm und König, klar besser. Der Langenthaler überliess das Spielen lange seinem Gegner und sagte einsichtig nach der Partie: „Ich habe uninspiriert gespielt“. Nach dem Tausch sämtlicher Leichtfiguren kam es zu einem Turmendspiel mit klarem Vorteil für den Berner. Aber eben - Turmendspiele haben ihre Tücken und gerade dabei verlor Heinz den Faden. Anstelle den Vorteil in eine Gewinnstellung zu verwandeln, wurden die Bauern so getauscht, dass nach mehr als 3 Stunden klar wurde, dass es keinen Sieger geben wird. Beide einigten sich auf Remis. Mit 3.5:0.5 gegen Langenthal 2 gelang SKB 4 ein prima Start in SMM! jb