Bern Memorial vom 15. November 2009


Geboren wurde Max Blau am neunzehnten Dezember 1918 in München, also am Ende des Jahres, das mit dem Wettkampf zwischen Akiba Rubinstein und Jacques Mieses im Kerkaupalast in Berlin begonnen hatte. Fünfundvierzig Jahre später, als sich die Arbeiter erhoben in der DDR und Sergey Prokofiev starb, errang Max Blau den Titel eines Internationalen Schachmeisters. Er spielte für die Schweiz bei sieben Schacholympiaden, wurde vier Mal Schweizer Meister und spielte erfolgreich bei grossen Turnieren. Er schlug Unzicker, Filip, Golombek, Teschner, Bellon, Donner, Johner, Grob, Saemisch, Gereben, Düeckstein und remisierte gegen Fischer, Botvinnik, Smyslov, Keres, Najdorf, Olafsson, Minev, Stahlberg, Robatsch, Trifunovic, Prins, Eliskases, Szabo, O`Kelly de Galway und Penrose, um nur die Berühmtesten aufzuzählen. 1984 starb Max Blau.

Fünfundzwanzig Jahre später klatschen mehr als dreissig Schachspieler ausgiebig und danken Heidi, der Frau von Max Blau, für ihr grosses Engagement und ihr grosszügiges Sponsoring, nicht nur zugunsten des eben ausgekämpften ersten Bern Memorial (eines Rapidturniers mit sieben Runden), sondern auch viele Jahrzehnte zum Wohle des Schachklubs Bern und des Schach in Bern. Danach werden von Kurt Flückiger die Ergebnisse des ersten Bern Memorial verlesen, die Sieger geehrt, im Bild festgehalten und der schön gestaltete Raum mit schwarzweissen Bildern des grossen Schachspielers Max Blau seiner Bestimmung als kirchgemeindlicher Raum zurück geführt.

Der Raum gehört zur römisch katholischen Kirchgemeinde Dreifaltigkeit. Er ist kreisrund, halb unter Tag und trotzdem voller Licht. Dies dank eleganter und leichter Glasstahlkonstruktion, eingebettet in einen hübschen Garten zwischen Synagoge, amerikanischer Botschaft, Rotem Kreuz, kleiner Schanze und Mobiliargebäude. Er trä gt den Namen Rotonde und ist soweit für Schachspieler erinnerlich der schönste bekannte Ort für ein Turnier. Nach vielen gelungenen Gambitschülerturnieren also heute erstmals das Bern Memorial, im Gedenken an den Internationalen Meister Max Blau.

Das Bern Memorial hätte mehr als fünfunddreissig Teilnehmer verdient. Ruth Perriard, Helen Cina, Claudio Sieber, Kurt Flückiger und André Lombard haben mit vereinten Kräften ein gelungenes Turnier auf die Beine gestellt, mit feinen Speisen und erfrischenden Getränken in gediegener Ambiance. Alle warten gespannt auf das nächste Bern Memorial.

Zum Ende meiner Ausführungen noch eine kritische Anmerkung. Nicht das erste Mal (Lysser Open, Berner Stadtmeisterschaft, SKB Rapidturnier, etc.) erlebe ich am vergangenen Sonntag, dass nur wenige Schachspieler an einem tollen Turnier teilnehmen. In der zweiten Hälfte des Geschehens treffen dann jeweils Kiebitze ein, die einen beträchtlichen Teil ihrer Freizeit dem Besuch von gartenschachlichen oder klubabendlichen Aktivitäten opfern. Im Verlaufe ihres Lebens schachweise geworden, scheuen sie die für ihr Selbstverständnis bedrohliche Auseinandersetzung am wettkampflichen Brett und bevorzugen den Status des Augurs oder weisen Kommentators. Das Fatale ist nur: Eines Tages könnte es nichts mehr zu Kiebitzen oder zu Kommentieren geben.

Wer sich angesprochen fühlt und Besserung gelobt: Am 29. November findet in unserem Klublokal Adrians Rapidturnier statt.

Bericht: Gabriel Hefti


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