Simultan mit Artur Jussupow im Schachklub Bern
So muss es gewesen sein, als Schach-Legenden wie Viktor Kortschnoi, Paul Keres, Bent Larsen oder Lubomir Kavalek einen Abstecher an die Kramgasse 10 in Bern machten: Im Klubheim herrscht ein Gedränge. Die Menschen stehen Schulter an Schulter. Sie bewundern einen Mann, der in der Mitte des Saals von Brett zu Brett eilt und seinen Zug ausführt – Artur Jussupow. Der 46-jährige Russe ist zwar kein zweifacher Vizeweltmeister wie Viktor Kortschnoi; auch ist ihm bis heute nicht die Ehre widerfahren, auf einer offiziellen Staatsbanknote abgebildet zu werden wie Paul Keres in Estland – Jussupow war 1986 hinter Kasparow und Karpow aber immerhin die Nummer 3 der Welt.
Die Atmosphäre im altehrwürdigen Klubheim, das seit 1957 unser Zuhause ist, dürfte in diesem Moment so prickelnd sein wie damals bei den unvergessenen Simultanvorstellungen von Larsen 1964/1970, Keres 1965 und Kavalek 1968. Oder so wie beim Nati-Training 1986 mit Lehrmeister Kortschnoi hinten im Säli.
23 Spieler fordern Artur Jussupow heraus. Fritz Maurer ist mit 2145 Punkten Jussupows elostärkster Gegner; Peter Frei und Housi Messerli versuchen ihr Glück als ungesetzte Figurenkünstler. Nach lediglich 19 Zügen und zwei Stunden Spielzeit wirft Matthias Roth als Erster das Handtuch. Unser Chef Turnierbetrieb erleidet mit dem Albins Gegengambit Schiffbruch. Einen Zug später hat auch Robert Chaleyrat genug. Der 69-jährige Verteidigungskünstler kann das Matt nicht mehr verhindern und gibt auf. Allmählich lichten sich die Reihen. Adrian Mauerhofer zieht mit seinem risikofreudigen Spiel die Kiebitze in den Bann. Kunststück: Jussupow opfert auf h7 erst den Turm, einen Zug später den Springer. „Wann, wenn nicht in einem Simultan, kann man denn so herzhaft opfern?“, wird der Moskowiter später schmunzelnd fragen. Jussupows Angriffskombination schlägt durch - unser designierter Vizepräsident sucht für seinen ungeschützten König vergeblich ein Plätzchen und gibt auf. Auch Fritz Maurer findet gegen Artur Jussupow kein Rezept und geht nach einem doppelten Qualitätsopfer unter.
Erste Erfolgsmeldungen liefern Zeno Kupper und Stefan Hubschmid. Sie halten ihre Stellungen souverän remis. „Sie haben hervorragend verteidigt“, lobt Jussupow. „Ich wollte sie nicht länger plagen – Simultan soll Spass bereiten.“ Auch Ruedi Pleininger ringt dem 5-fachen Olympiasieger mit der UdSSR ein Unentschieden ab. Jussupow begnügt sich mit der Zugwiederholung.
„Das Niveau war beachtlich“, sagt der Stargast beim anschliessenden Nachtessen – ein von der Perriard-Crew kredenztes Gourmet-Menü. „Ich habe mich natürlich auf die Partien gegen meine Rocamor-Teamcup-Freunde Matthias Roth, Fritz Maurer und Adrian Mauerhofer konzentriert. Gegen sie wollte ich unbedingt gewinnen.“ Zu später Stunde verrät Jussupow auch: „Gegen Christian Humphreys und Ruedi Pleininger stand ich kritisch.“
Am nächsten Tag führte Artur Jussupow seine Rocamor-Teamcup-Freunde souverän in die Viertelfinals.
Thomas Wälti
So spielte Artur Jussupow
Remis Zeno Kupper (2073)
Remis Stefan Hubschmid (2018)
Remis Ruedi Pleininger (1947)
1:0 Fritz Maurer (2145)
1:0 Matthias Roth (2019)
1:0 Adrian Mauerhofer (1952)
1:0 Rolf Schmid (1937)
1:0 Christian Humphreys (1917)
1:0 David Schaffner (1872)
1:0 Klaus Neuenschwander (1823)
1:0 Robert Chaleyrat (1805)
1:0 Poedjo Suwendo (1781)
1:0 Lorenz Hilfiker (1764)
1:0 Patrik Hubschmid (1756)
1:0 Dietmar Michel (1716)
1:0 Sergio Kurschat (1657)
1:0 Jonas Lampert (1599)
1:0 Werner Nellissen (1533)
1:0 Noël Studer (1479)
1:0 Lasse Lampert (1461)
1:0 Max Schmid (1390)
1:0 Peter Frei
1:0 Housi Messerli
21,5:1,5